Schwarzer Peter

Gestern haben wir im Restaurant „Schwarzer Peter“ in der Weststadt von Heidelberg zu Abend gegessen.

Dieses Lokal wartet mit einer einfachen Einrichtung und Altbauambiente der späten Gründerzeit auf und hat eine kleine Außenterasse vorzuweisen. Ein extra Raucherbereich ist hinter einer Glasschiebetür vorhanden. Gereicht werden Biere der Marke Distelhäuser und übliche bodenständige Getränke.

Die Speisekarte hat eine saisonale Sonderseite und einen überschaubaren Reigen feststehender Nahrungsangebote. Hier variiert man anlang von „Bratkatoffeln mit…“ über „Fleischlos an…“ bis „Pfannkuchen mit…“.

Die Biere wurden schnell serviert und ehe wir uns versahen, waren diese auch schon ausgetrunken. Der prüfende Blick auf die Uhr verriet, dass wir bereits eine Stunde auf unsere Essen warteten. Wir hatten so komplizierte Köstlichkeiten bestellt wie Bratkatoffeln mit Salat, Bratkatoffeln mit Wurstsalat und Pfälzer Saumagen mit Sauerkraut und Stampfkartoffeln (hier wird es gerne Püree gerufen). Beim Versuch, das Gericht „Pfälzer Saumagen mit Püree und Sauerkraut“ auf „Pfälzer Saumagen ohne Püree, dafür bitte mit Bratkartoffeln“ zu ändern, überraschte der Wirt mit dem Hinweis: „Das ist bestimmt gegen Aufpreis möglich. Unser Chef ist da eigen.“ Wir haben die Eigenheiten sofort eingestellt und es beim Essen von der Stange gelassen. Nach über 70 Minuten Wartezeit konnten wir unseren Appetit stillen, das Essen war geschmacklich in Ordnung und für ausgewachsene Männchen ausreichend. In der Zeit des Wartens haben wir nach guten Ausreden gesucht, warum wir uns so lange auf die Kartoffeln mit Beilage freuen sollten. Es war nicht gerade voll im Lokal und keine der bestellten Speisen war aus unserer Sicht kompliziert zuzubereiten. Auf Nachfrage, warum die Küche so lange für diese Standardmahle gebraucht habe, wurde uns erklärt: „Bei uns wird alles frisch zubereitet, das dauert dann eben etwas länger. Hier kommt nichts aus der Mikrowelle“.

Mit dem Kartoffelschälen zu beginnen, wenn die Gäste Bratkartoffeln bestellen, ist ein gewagtes Vorgehen der Küche und könnte aus Sicht des Gastes schnell zum Totalverlust der Grundidee eines Restaurants dieser schlichten Art führen: Essen, wenn man hungrig ist, ohne selber kochen zu müssen. Slowfood geht anders, und sich zu rühmen, Bratkartoffeln nicht in der Mirkowelle zuzubereiten, hat uns dann doch noch zum Ende dieses Abends zum Lachen gebracht.

Beim nächsten Hunger, so haben wir uns mehrmals in der Wartezeit in die Hand versprechen können, probieren wir ein anderes Restaurant aus.

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