Der Italienische (Aus-)Weg

italienDas Engagement des italiensischen Militärs in Afghanistan ist bisher wenig medial in Erscheinung getreten. Die heute übermittelte Pressenotiz von AP gibt eine mögliche Erklärung, warum es bisher um die von Italienern zu kontrollierenden Sektoren so ruhig war:

Die Taliban-Kämpfer wurden von den Italienern geschmiert!

Darauf sind die anderen NATO-Bündnispartner bisher nicht gekommen und schauen sowohl neidisch als auch dumm aus der Wäsche. Peinlich wirkt auch die Empörung der Franzosen, die vergessen hatten das Schutzgeld fristgerecht an die Taliban abzugeben. Das Argument, schlecht informiert gewesen zu sein, hat bei der Mafia noch nie gezogen.

Was haben wir denn von den Italienern erwartet? Der NATO-Slogan für Afghanistan lautet doch: Unsere Sicherheit wird am Hindukusch verteidigt! Sicherheit scheint ein kulturell unterschiedlich gedeuteter Begriff zu sein: Die Deutschen schicken reflexartig Polizeiausbilder nach Kabul, die Italiener gründen zuerst eine Mafia. Was machen eigentlich die Franzosen? Und haben die Amerikaner schon christliche Missionare entsandt sowie Bibeln und Waffen verteilt?

Den Italienern kann man jedenfalls wieder einmal einen verblüffenden Pragmatismus unterstellen. Das Gespür, wer in welcher Region gerade am Drücker ist, ist überdeutlich ausgeprägt (weiteres Beispiel gefällig?). Hinzu kommt die seit Generationen diesem Volk eigene Konditionierung, die den Schutz vor unangekündigter Gewalt mit einer pünktlichen Zahlung zum 15. jeden Monats koppelt. Dies gilt für Pizzabäcker, Bauunternehmer, Richter oder Militärs in geradezu sozialistischer Einheitlichkeit.

In das neue Handbuch der internationalen Kriegsführung ist also ergänzend aufzunehmen: Wo die Italiener vorher waren, Bündel an Bargeld mitnehmen und warten, bis das Mafiasystem seinen Schutz anbietet. Dann muss auch keiner sterben!

Schade, dass die Italiener nicht mehr Zeit bekommen haben, ihre kulturellen Eigenheiten in diesem afghanischen Sektor zu etablieren. Vielleicht hätten sie es auch geschafft, dass alle Taliban zweimal die Woche zum Frisör gehen und täglich mit Mama telefonieren, Frauen hinterherpfeifen und einen Schuhtick entwickeln. Der Krieg wäre dann wahrscheinlich längst zu Ende.

Rom (AP) Der italienische Geheimdienst soll nach einem Zeitungsbericht die Taliban bestochen haben, um im Verantwortungsbereich der italienischen Truppen in Afghanistan für Ruhe zu sorgen. Die «Times» berichtete, Kommandeure der Miliz im Bezirk Surobi östlich von Kabul hätten mehrere zehntausend Dollar erhalten. Die französischen Truppen, die das Gebiet Mitte 2008 übernahmen, hätten die Gefahrenlage daher falsch eingeschätzt. In einem Hinterhalt kamen kurz darauf zehn Soldaten ums Leben. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi wies den Bericht am Donnerstag zurück.
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