Weltuntergänge

Gestern fand zum letzen Mal die Tanzveranstaltung „Schwarzes Schwimmbad“ in Heidelberg statt. Nicht, dass es an mangelnder Nachfrage gelegen hätte, nein, neue Brandschutzverordnungen haben letztendlich das Ende für den legendären Musikclub und damit auch für diese Traditionsveranstaltung der Schwarzen Szene herbeigeführt.

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Unter der fürsorglichen Leitung von DJ Jochen wurde es ein gelungenes Begräbnis, neudeutsch „Closing Party“ genannt, und die ersten 30 Minuten konnten alle das tun, was auch schon auf den Festivals zur Paradedisziplin von Gruftis gehört: Schlangestehen.

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Danach wurde aber auf allen Ebenen getanzt, bis der Morgen graute: 1. OG Schwarz-buntes Programm, EG Knicklichter-Paradies und im Keller NDH und Mittelaltergedudel. Herrlich, wie unterschiedlich die Ebenen nach ein paar Stunden am jeweiligen Geruch zu unterscheiden waren…
  
  
  


Es soll natürlich unter „Schwarzes Heidelberg“ und „Schwarzes Rhein-Neckar“ Folgeveranstaltungen an anderen Orten geben.

Es kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2015 ein Jahr des Abschieds von erlebnisreichen Orten war. Nach dem Häll nun also der Schimmbad Muikclub. Bereits heute beginnt die Trauerzeit für mein öffentliches Wohnzimmer: die Zwitscherstube schließt Ende Februar – auch fremdbestimmt.


In dieser Kneipe habe ich diverse Geburtstage gefeiert, die Geburt meiner Kinder begossen und jede Woche Freunde und Bekannte getroffen. Die Mischung aus ordentlicher Bier-Kultur (ja, sowas gibt es) und einer musikalischen Untermalung, die den gemeinsamen Nenner vieler Enthusiasten bildete: progessive Rock, alle Metal-Spielarten und 70er, haben diesen Ort für mich so heimelig gemacht – der Fussball war meistens schon vorbei, wenn ich die Zwitscherstube betrat.

  
Dafür entwickelte sich eine freundliche Nähe zu Wirt Artuhr und ab und zu auch zu seinen Mitarbeiterinnen. Für diese Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen mit Zapfkompetenz tut es mir noch mehr leid als um mich, werden wir doch alle auf einen Schlag Obdachlose der Abendstunden. Vielleicht treffen wir uns auf den Parkbänken rund um den nahen Wilhelmsplatz und schwärmen von den alten Zeiten, als es im Herzen der Weststadt noch einen Bierausschank gab.

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