Archive for the Kultur Category

Rituelle Störung

Posted in allgemein, Kultur with tags , , , , , , , , on 24. April 2011 by tobikult

Covenant ⎢ Modern Ruin Tour ⎢ 22.04.2011 ⎢ Batschkapp ⎢ Frankfurt

Wir wollen nichts anbrennen lassen. Unser Kind soll so früh wie möglich musikalisch gefördert werden. Da kam das Covenant-Konzert am Karfreitag in Frankfurt gerade rechtzeitig. Im 6. Monat (ca. 4 vor Geburt) ist das Gehör angeblich bereits ausreichend funktionsfähig für Klang und Gesang. Und für gehörigen Bassdruck sind Covenant allemal bekannt.

Wir konnten an diesem vorösterlichen Abend ausnahmsweise keine größere Rücksicht auf religiöse Gefühle von Hinz und Kunz nehmen. Um die gesetzlichen Auflagen zum Karfreitag einzuhalten, hat der Veranstalter all denen Recht gegeben, die uns immer attestieren, dass das, was wir voller Freude an unsere Ohren lassen, eh keine Musik sei. Ist es keine Musik, was da vorgetragen wird, sind die Bewegungen der Besucher logischerweise auch kein Tanz. Selten war es so leicht, dem Gesetz genüge zu tun.

Die heitere Haltung des Veranstalters erkannten wir auch an der Wahl des Einlaßstempels. Nachdem alle Zuschauer als Hasen „abgestempelt“ wurden, kamen wir in die Röhre. Jedenfalls war die Temperatur im Konzertsaal zum Durchgaren durchaus geeignet.

Mit Patenbrigade Wolff und Decoded Feedback gab es zwei Vorbands, bei denen zwar die Technik funktionierte, die aber weitestgehend eine Zumutung für unsere Ohren und unseren Intellekt darstellten.

Der eigentliche Konzertbeginn verzögerte sich deutlich, weil irgendein Kabel am Mischpult nicht so mitmachte, wie sich die Crew das gedacht hatte.

Als es endlich losging und Covenant mit einem Intro im Stil des Spaceballs-Films den ersten Song Stalker ablieferten, waren wir alle schon dehydriert, hatten Knick-Senk-Spreiz-Füße und waren von der Gegenwart unseres Nebenmanns grundsätzlich genervt. Durch weite Teile des Konzerts zog sich eine Unvollkommenheit in der Darbietung, so dass ich mich frage, ob das, was die Jungs sonst an ihren MacBooks zusammenbasteln, überhaupt live abzuliefern ist. Es hakte an den Einsätzen von Mensch und Maschine sowie den Tonlagen beim Duettgesang.

Besonders wichtig war das Konzert für mich jedoch, weil ich mit dem neuen Album in weiten Teilen nicht viel anfangen konnte. Einige Stücke habe ich erst durch dieses Konzert verstanden und höre sie jetzt um so lieber. Der jüngste Floorburner Lightbringer hingegen verliert in der Live-Version. Aber Licht hatten Covenant reichlich für uns mitgebracht.

Absolute Höhepunkte waren die Evergreens Ritual Noise, Dead Stars und natürlich Call The Ships To Port. Dieses Lied ist live einfach unvorstellbar schön und ich musste mich unbedingt „bewegen“ und konnte nicht filmen. Hier die Impression eines bewegungsarmen Drittanbieters:

Diese Musik gefällt mir so einmalig gut, dass ich sie mir einfach nicht leidhören kann. Wie schön, wenn man Dinge findet, die sich nicht abnutzen.

So, liebes Kind, ich habe Dir ein Tourplakat, ein T-Shirt und einen Aufkleber gekauft, damit Du Dich noch lange an Dein erstes Konzert erinnerst!

Zeitreise geglückt

Posted in allgemein, Kultur with tags , , , , , , , , , , on 16. April 2011 by tobikult

Phillip Boa and the Voodooclub ⎮ Substage ⎮ 15.04.2011

Gestern war es endlich wieder so weit. Die Band, von der ich einfach nicht genug bekomme, spielte im nahen Karlsruhe. Pünktlich zu diesem feierlichen Ereignis kam Altbenz Herr Schubert nach geglückter Hüftgelenkstransplantation aus der Werkstatt und die willkommene Testfahrt über die A5 verlief ausgesprochen kommod.

Das ersetzte Differenzialgetriebe von Herrn Schubert.

Auf dem Gelände des alten Schlachthofs in Karlsruhe hat das neue Substage einen Funktionalbau aus Beton und Stahl erhalten und ich war sehr gespannt auf diesen Austragungsort für Kunst und Kultur. Leider durfte ich meine Kamera nicht mit in den Konzertsaal nehmen und so bleiben mal wieder nur ein paar Handybilder und Videos als visuelle Anreicherung dieses Artikels.

Ich verstehe diese ablehnende Veranstalter/-Künstlerhaltung zu guten Kameras nicht richtig. Lieber nehmen sie Hunderte schlechte Bilder und Videos in Kauf, die mit hochgereckten Armen geschossen werden und dabei nur bedingt schön anzusehen sind, als ein paar Fotoenthusiasten einzulassen, die mit der Linse vor ihrem Auge ein paar gute Bilder zustande bringen, dafür aber die Arme ansonsten unten lassen.

Das gestrige Konzert war in mehrerlei Hinsicht etwas ganz Besonders. Zum einen gab es eine Vorband, die das Publikum zu ordentlichem Applaus animierte und die Hoffnung auf einen kompetenten Musikernachwuchs macht. Ich habe mir sogar den Tonträger von Carla Dalla Torre gekauft – Premiere für mich, was eine Vorband angeht!

Zum anderen hatten wir für dieses Konzert vereinbart, dass nur die Lieder der beiden Alben Helios (1991) und Boaphenia (1993) gespielt werden. Eine Playlist mit „Pfirsicheisen“, „Galerie der Fälschungen“ und „Mary Rose“ ließ die Zusammenkunft in weiten Teilen zu einem ehrfürchtig-besinnlichen Liederabend werden. Annerkennender Beifall statt Moshpit, nicht zuletzt wegen einer ansehnlichen Lichtshow und eines überragend abgemischten Sounds. Es zeigte sich so eine Stärke der alten Combo: Popbefreite Melodien, die Emotionen auslösen, aber sich nie anbiedern. Die konsequente Songauswahl wirkte sowohl auf das erfahrene Publikum als auch auf die Künstler wie eine Zeitreise in die schönen Ecken der frühen 90er.

Im Zuge der reichlich gewährten Zugaben wurde druckvoll aufgetischt, und die zweite Stärke der guten alten Voodooclub-Ära wurde uns um die Ohren gehauen, die sich in folgender Formel zusammenfassen läßt: Die Anzahl der Trommler ist größer/gleich der Anzahl der Gesangsstimmen.

Leider hatten weder mein Weibchen noch sonst jemand aus meinem Freundeskreis Zeit und Lust, mit mir auf dieses Konzert zu gehen. Ich habe diesen Umstand durch ein ungezügeltes Merch-Shopping vergeblich versucht zu kompensieren (und bin doch stolz, dass ich, zum ersten Mal in meinem Leben, kein aktuelles Tour-Shirt gekauft habe).

✚ Parasita, dafür darfst Du mich ruhig loben! 😛

✚ Lorelei, Du hast gefehlt und etwas verpasst! Get well soon. 😦

Geschichte konkret

Posted in allgemein, Kultur with tags , , , on 10. April 2011 by tobikult

Neulich im Museum:
Die Geschichte des Stahlhelms von den Samurai bis zur Gegenwart.

© tobikult

Feuer! Feuer! Hilfe, es brennt!*

Posted in allgemein, Kultur with tags , , , , , , on 9. April 2011 by tobikult

Ich finde, das ist ein Fall für den Kinderschutzbund:

* Es hält sich hartnäckig das Gerücht, es wäre in unserer reizüberfluteten Gesellschaft wirkungsvoller „Feuer!“ als „Hilfe!“ zu rufen, wenn man möchte, dass einem geholfen wird.

Horizonterweiterung

Posted in allgemein, Kultur with tags , , , on 23. März 2011 by tobikult

Diesen Monat hat das Neofolk-Projekt Corde Oblique sein erstes offizielles Musikvideo veröffentlicht. Grund genug, Euch die Musik dieser begabten Künstler ans Herz zu legen. Ich hatte das Vergnügen, Corde Oblique live auf dem Wave Gotik Treffen 2009 zu erleben und bin seit diesem Konzert von der Musik immer wieder verzaubert.

Auch das zweite Projekt des begnadeten Geigers Alfredo Notarloberti mit dem Namen Ashram ist eine Hörprobe wert (WGT 2010), aber nicht so kraftvoll wie das Original mit Riccardo Prencipe.

Mein bisheriges Lieblingslied von Corde Oblique:

Und eine reizvolle Ashram-Hörprobe:

Das tut uns leid.

Posted in allgemein, Kultur with tags , , , , on 27. Februar 2011 by tobikult

Mir nicht! Ist doch super, wie die Musikindustrie uns vor ihren eigenen peinlichen Angeboten zu beschützen sucht.

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Vermisstenanzeige

Posted in allgemein, Kultur with tags , , , on 21. Februar 2011 by tobikult

Vermisst wird seit über zwei Jahren eine Musikerin namens
Björk Guðmundsdóttir. Vor ihrem Verschwinden war sie leicht zu erkennen an der avantgardistischen Musik, mit der sie sich und ihre Umwelt umgab.

Die kann doch noch nicht am Ende sein mit ihrer Kunst! Und wenn doch, ich brauche dringend eine „Best Of All These Years“-Tour!

Macht mehr Kunst!

Posted in allgemein, Kultur with tags , , , on 11. Februar 2011 by tobikult

Vor ein paar Tagen habe ich mich gefragt, was ich mit meinen alten Thinkpads und MacBooks machen soll. Einfach so entsorgen?
Wie immer hat das Internet eine Antwort auf meine Fragen.

Wie wäres es mit Kunst?

Ich bin inspiriert! Danke, liebes Internet!

Und für die alten Mobiltelefone sollten wir auch schönere Verwertungen finden, als sie nur final als Fernzünder  zu gebrauchen….

Rakka Takka

Posted in allgemein, Kultur with tags , , , , , , , , , , , , , on 23. Dezember 2010 by tobikult

Stille besinnliche Weihnachtszeit? Nicht mit uns! Wenn wir schon bis zum letzten Moment in diesem Jahr Vollgas geben müssen, dann soll wenigstens der Soundtrack stimmen. Um Chris Rea und George Michael ein Schnippchen zu schlagen, sind wir am 4. Advent nach Bruchsal gefahren und haben ein gepflegtes Chor-Konzert besucht.

Herrlich, diese kernigen Bassstimmen und der glockenklare Gesang der
A capella-Künstler
von Van Canto. Die fünf Sänger und der eine Schlagzeuger haben uns in der Rockfabrik mächtig eingeheizt und wer eine Haupthaar-Mähne hat, kam nicht umher, die selbige zu schütteln bis die Wirbel wieder gelockert waren. Das spart den Wellness-Urlaub, zu dem eh derzeit kein Flieger geht, und macht binnen kürzester Zeit glücklich. Was wollen wir mehr?

Aber seht selbst:

Ach ja, das neue 24-70mm-Objektiv habe ich mir selbst zu Weihnachten geschenkt und natürlich schon vorzeitig ausgepackt.

🙂

Musikalische Genesungswünsche

Posted in Kultur with tags , , , , , , , , , , , , , , on 9. Dezember 2010 by tobikult

 

Wie es klingt, wenn Kinder von Musiklehrern aus ihrem kulturellen Kapital etwas sinnvolles machen, konnten wir gestern im Königssaal des Heidelberger Schlosses erleben. Die noch recht junge und unverbrauchte Band Get Well Soon spielte zusammen mit einem Grand Ensemble ihre Eigenkompositionen vor gut besuchtem Hause.

Die Musik dieser Gruppe um das Geschwisterpaar Konstantin und Verena Gropper lockte vornehmlich dieses akademische  „Nerd is Sexy“-Publikum an, das artig auf den Stühlen Platz nahm und dort zwei Stunden regungslos verweilte.

Manche hatten als Ausdruck tiefen Verständnisses für die traumatische Jugend der Bühnenmenschen ihre eigenen Streichinstrumente mitgebracht. Wer bitte bringt denn sein Violoncello auf ein Indie-Rock-Konzert mit? An diesem Abend mindestens zehn Gäste. Die mitgeführten Geigenkästen habe ich irgendwann nicht mehr gezählt.

Ätzend waren die vielen Eltern im Publikum. Diese friedhofsblonden Nervensägen hatten sich in ihren feschen Bugatti-Strickpullis und Betty-Barclay-Kleidchen unters Konzertvolk gemischt, um ihre Rendite einzufordern. Man sah förmlich in ihren Gesichtern diesen Anspruch, endlich etwas zurück zu bekommen, dafür, dass man vor Jahren so viel Geld und Nerven in die eigene Brut und die örtliche Musikschule steckte, um bisher lediglich qualvoll Bratschen-, Oboen- oder Klavierübungsstunden im Reihenendhaus ertragen zu haben. So überwiesen Get Well Soon an diesem Abend die kulturellen Reparationsleistungen der Generationen X, Golf, Praktikum und Upload an die elterlichen Nachkriegler und 68er. Vielen Dank dafür!

Musikalisch war der Abend ein absoluter Hammer. Wer hätte gedacht, dass ein Xylophon so brettern kann? Die Besonderheit der Stücke von Get Well Soon liegt für mich im Spannungsbogen zwischen düsterer Trauer und ansteigender Euphorie, die aber niemals erlösende Substanz erhält. Wenn 14 multiinstrumentalbegabte Menschen es so arrangiert miteinander aushalten, kann man schon mal Gänsehaut bekommen…

Über die Vorband Sizarr kann ich berichten, dass ich immer noch nichts mit Bubis in Rutschehosen anfangen kann. Zudem finde ich es albern, auf der Bühne Wanderstiefel, Flanellhemd und Wollmütze zu tragen und zugleich ein Schweiß-Handtuch mitzubringen. Musikalisch habe ich die Jungs auch nicht verstanden.