Archiv für EBM

SPECTRE

Posted in allgemein, Musikalische Früherziehung with tags , , , , , , , , on 8. März 2014 by tobikult

Laibach | Cafe Central Weinheim | 07.03.2014

2014-03-laibach-weinheim-01 2014-03-laibach-weinheim-02 2014-03-laibach-weinheim-03 2014-03-laibach-weinheim-04 2014-03-laibach-weinheim-05 2014-03-laibach-weinheim-06 2014-03-laibach-weinheim-07 2014-03-laibach-weinheim-08 2014-03-laibach-weinheim-09 2014-03-laibach-weinheim-10 2014-03-laibach-weinheim-11 2014-03-laibach-weinheim-12 2014-03-laibach-weinheim-13 2014-03-laibach-weinheim-14 2014-03-laibach-weinheim-15 2014-03-laibach-weinheim-16 2014-03-laibach-weinheim-18 2014-03-laibach-weinheim-17
Dieser Seniorenabend war ein musikalisches Fest! Nachdem sich das slowenische Künstlerkollektiv erlaubte, das aufgebretzelte Ü40-Publikum 30 Minuten lang mit Instrumentalstücken zu beschallen, die sogar Frank Sinatra peinlich gewesen wären, spielten sie ihr neues Album fast vollständig und engagiert vor.

Wie es sich für ein klassisches Konzert für das gesetztere Volk der schwarzen Szene gehört, gab es eine Pause von 10 Minuten in der Mitte des Konzerts. Einige beschwerten sich beim Kaltgetränk am Merch-Stand, Laibach wären milde und etwas zu poppig geworden. Diese ungeduldigen Kleingeister wurden in der zweiten Hälfte des Abends mehr als getröstet. Neu durchkomponiert gaben Milan Fras und Mina Špiler mit ihren Kollegen an den Instrumenten fast alle Meilensteine der musikalischen Geschichte von Laibach zum Besten.

Warum sich das Spektakel ins kleine Café Central am Fuße des Odenwaldes zwängen musste (Weinheim-Paris-London-Berlin), ist mir ein Rätsel. Die Hütte war überfüllt, die Bühne zu eng, die Luft zum schneiden dick und der Schweiss tropfte gegen Ende der Show von der Decke. Sind wir dafür nicht ein wenig zu alt? Aber ich habe mich natürlich gefreut, nur einen Steinwurf von meiner Heimat entfernt, diesem Konzert beigewohnt zu haben.

Nun sind Auftritte von Laibach nicht nur musikalisch eine Freude. Das Kollektiv hat stets eine klare politische Botschaft, die es mal brachial und häufiger hinterlistig vermittelt: Finger weg von den Verführern der Massen! Keine Macht den Religionshütern! Widerstand gegen radikale Ideologen und militante Aggressoren! Das Spiel ist aus! Wirtschaft ist tot!

Schade, dass keine jungen Leute kamen, um sich auf diese so feine Art politisch den Kopf waschen zu lassen.

Advertisements

Irrlichter des Internets

Posted in allgemein with tags , , , , , , , , , , , , , on 20. November 2012 by tobikult

Auf der Suche nach gruftiger Präsenz in der Medien- und Kulturlandschaft gibt es mehr Sackgassen, als es auf den ersten Blick vermuten lässt. Und manchmal sind es auch Nachrichtensendungen und Werbeprospekte, die einem das Blut gefrieren lassen. Sollte das, was dort der Weltöffentlichkeit gezeigt wird, wirklich etwas mit unserer Schwarzen Szene zu tun haben?

Ich befürchte, ja. :mrgreen:

Wer ist der EBM-Papst? Unser Ehrenvorsitzender der EBM-Senioren HaJo weiß es bestimmt:

Screenshot von http://www.zdf.de
Lerne den EBM-Papst kennen unter http://www.ebm-papst.de

Für die „Alles Poser außer Mutti“-Fraktion hier der Moment der Wahrheit: Joy Division gibt es noch! Die Jungs machen jetzt in Hygieneartikel und sorgen so für „besondere Momente“:

„Love will tear you apart“ garantiert mit Produkten von
http://www.joydivision-international-ag.de

Schon früh liehen sich die Gruftis Accessoires aus der Fetisch-Szene. Nicht zum Spaß natürlich, sondern nur um ordentlich zu provozieren. Der Spielwareneinzelhandel für die Großen reagierte mit eigenen Läden für die Schwarze Szene, wie das Fachgeschäft Schwarze Palme, die kaum einen Wunsch unerfüllt lassen.

Erwachsenenpädagogik und Gesellschaftsspiele für Gruftis bei http://www.schwarzepalme.de

Und dann gibt es diese Momente voller Missverständnisse, die uns Gruftis so bitter aufstoßen. Eines der jüngsten Beispiele ist hier die Ruderin und Olympiateilnehmerin Nadja Drygalla. Auf den ersten Blick auffällig unauffällig „true“:

new-wave-rudern

Einfach aus Bild klicken, dann kommt ihr beim Originalbild auf Sprotbild.de raus. 
(Liebe Abmahnanwälte, das hier ist Kunst. Und Kunst darf das.)

– Body-Modification an den Ohren? ✔ *check

– Tattoo mit Fabelwesen? ✔ *check

–  schwarze Klamotte? ✔ *check

– „New Wave“ Patch auf der Brust? ✔ *check

Und dann wieder dieser lautstarke reflexartige Ideologieverdacht der Boulevardpresse, wenn sie Gruftis beim Hören von Feindflug und Hanzel Und Gretyl erwischen.

👿

Und erzähle mir jetzt keiner, ich hätte eine verzerrte Wahrnehmung!

Rituelle Störung

Posted in allgemein, Kultur with tags , , , , , , , , on 24. April 2011 by tobikult

Covenant ⎢ Modern Ruin Tour ⎢ 22.04.2011 ⎢ Batschkapp ⎢ Frankfurt

Wir wollen nichts anbrennen lassen. Unser Kind soll so früh wie möglich musikalisch gefördert werden. Da kam das Covenant-Konzert am Karfreitag in Frankfurt gerade rechtzeitig. Im 6. Monat (ca. 4 vor Geburt) ist das Gehör angeblich bereits ausreichend funktionsfähig für Klang und Gesang. Und für gehörigen Bassdruck sind Covenant allemal bekannt.

Wir konnten an diesem vorösterlichen Abend ausnahmsweise keine größere Rücksicht auf religiöse Gefühle von Hinz und Kunz nehmen. Um die gesetzlichen Auflagen zum Karfreitag einzuhalten, hat der Veranstalter all denen Recht gegeben, die uns immer attestieren, dass das, was wir voller Freude an unsere Ohren lassen, eh keine Musik sei. Ist es keine Musik, was da vorgetragen wird, sind die Bewegungen der Besucher logischerweise auch kein Tanz. Selten war es so leicht, dem Gesetz genüge zu tun.

Die heitere Haltung des Veranstalters erkannten wir auch an der Wahl des Einlaßstempels. Nachdem alle Zuschauer als Hasen „abgestempelt“ wurden, kamen wir in die Röhre. Jedenfalls war die Temperatur im Konzertsaal zum Durchgaren durchaus geeignet.

Mit Patenbrigade Wolff und Decoded Feedback gab es zwei Vorbands, bei denen zwar die Technik funktionierte, die aber weitestgehend eine Zumutung für unsere Ohren und unseren Intellekt darstellten.

Der eigentliche Konzertbeginn verzögerte sich deutlich, weil irgendein Kabel am Mischpult nicht so mitmachte, wie sich die Crew das gedacht hatte.

Als es endlich losging und Covenant mit einem Intro im Stil des Spaceballs-Films den ersten Song Stalker ablieferten, waren wir alle schon dehydriert, hatten Knick-Senk-Spreiz-Füße und waren von der Gegenwart unseres Nebenmanns grundsätzlich genervt. Durch weite Teile des Konzerts zog sich eine Unvollkommenheit in der Darbietung, so dass ich mich frage, ob das, was die Jungs sonst an ihren MacBooks zusammenbasteln, überhaupt live abzuliefern ist. Es hakte an den Einsätzen von Mensch und Maschine sowie den Tonlagen beim Duettgesang.

Besonders wichtig war das Konzert für mich jedoch, weil ich mit dem neuen Album in weiten Teilen nicht viel anfangen konnte. Einige Stücke habe ich erst durch dieses Konzert verstanden und höre sie jetzt um so lieber. Der jüngste Floorburner Lightbringer hingegen verliert in der Live-Version. Aber Licht hatten Covenant reichlich für uns mitgebracht.

Absolute Höhepunkte waren die Evergreens Ritual Noise, Dead Stars und natürlich Call The Ships To Port. Dieses Lied ist live einfach unvorstellbar schön und ich musste mich unbedingt „bewegen“ und konnte nicht filmen. Hier die Impression eines bewegungsarmen Drittanbieters:

Diese Musik gefällt mir so einmalig gut, dass ich sie mir einfach nicht leidhören kann. Wie schön, wenn man Dinge findet, die sich nicht abnutzen.

So, liebes Kind, ich habe Dir ein Tourplakat, ein T-Shirt und einen Aufkleber gekauft, damit Du Dich noch lange an Dein erstes Konzert erinnerst!

Ü30 Wochenende

Posted in Kultur, Mobiles Kulturgut with tags , , , , , , , , , , , on 1. März 2010 by tobikult

Am Samstag spielten Depeche Mode das letzte Konzert ihrer „Tour of the Universe“. Das haben wir uns nicht entgehen lassen, weckten den Altbenz aus dem Winterschlaf und reisten nach Düsseldorf. Das Konzert in der LTU-Arena (NIEMAND nennt das Ding ESPRIT-Arena) wurde mit einem kleinen Musikbeitrag der legendären Band Nitzer Ebb eröffnet und wir nahmen unsere Plätze ein, wie es auf der Karte vermerkt war: „Vor der Bühne“.

Die alten EBMler können auch nach über 30 Jahren im Musikgeschäft nicht singen und Instrumente spielen, aber Musik machen sie trotzdem. Und was für welche! Dieses eindeutige Bekenntnis von Depeche Mode zum EBM hat mich natürlich sehr gefreut, hatte ich bei manchen neueren Liedern doch Sorge, die madonnereske Anbiederung an „die letzte große Jugendkultur“ Hip Hop (behauptet immerhin Klaus Farin), würde auch vor dieser großen Band nicht Halt machen. Aber wir sind zwar zum Pogen zu alt aber eben doch zu jung zum Sterben!

c (hier der Videobeitrag aus London, D-Dorf liegt noch nocht vor).

So starteten die gestandenen Männer von der Insel mit einer ordentlichen Portion Vorschusslorbeeren. Die brauchte es auch, spielten sie natürlich erst ihren neueren Krempel runter. Mit „Wrong“ gibt es aber ein kompatibles und bühnentaugliches Stück aus der Gegenwart. Damit zog die Stimmung des gewohnt textsicheren Publikums an und es wurde ein Meilenstein der alternativen Musikgeschichte nach dem anderen abgefeiert. Der unter Druck geratene Videobeitrag von „Strange Love“ wurde einfach inklusive dem Song ausgelassen. Das war jetzt das zweite Konzert in Folge, wo irgendeine Zensur mitgemischt hat. Frechheit! ABER: Hier nochmal für alle Weicheier, Fremd- und Nichtbelichteten: Kunst findet immer ihren Weg. Kunst kommt ja nicht von Können sondern von Müssen!   Leider ist diese Video mit einer Zugangsbeschränkung versehen. Liebe Sittenwächter, wir sind die Generation, die nach Falcon Crest mit FA-Duschbad-Werbung großgeworden sind! Zwischendurch bestand für das Konzert noch die Gefahr, dass die Ü30-Party vor der Bühne zum Kindergeburtstag mutiert wäre, es wurden bei „Policy of Truth“ hunderte von Luftballons dem Publikum zum Spielen angeboten. Das Animationsprogramm wurde nach dem einen Lied dankenswerter Weise wieder eingestellt.

Mir hat das Lied „Photographic“ am Besten gefallen. Dieses lupenreine 80er Stück wurde hervorragend auf die heutigen Bedürfnisse alternernder Waver abgestimmt und hat die Arena genauso gerockt wie das Armgewedel bei „Never Let Me Down Again„. Für mich ist es in viellerlei Hinsicht eine fast schon vergessene Hymne, die das Zeug hat, meine nächsten Jahre musikalsich zu untermalen.

Leider gab es nur eine Zugabe, das kann ich ja gar nicht leiden!

Nach dem Konzert fing das Wochenende an, anspruchsvoll zu werden. Der Altbenz hatte mit 38 Jahren plötzlich Hitze und Inkontinenz. Er läßt sich anscheinend in diesem Alter lieber fahren, als das selbst zu bewerkstelligen.

So sparte er sich die Heimreise durch das Sonntags-Sturmtief Xynthia, mit gesperrten Autobahnen und tieffliegenden Gehölzen.

Und wenn ich nicht schlafen kann…

Posted in allgemein with tags , , , , on 1. Februar 2010 by tobikult

…dann kann ich endlich mal wieder was für meine musikalische Früherziehung tun. Komisch, EBM geht nicht mehr nach 3:00 Uhr. Dann eben Klampfenmusik. Schwunggitarre, 2, 3,4, jawoll.

Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr

Posted in Kultur with tags , , , , , , , , , on 14. Dezember 2009 by tobikult

Mir klingeln immer noch die Ohren und die Netzhaut ist für immer gebranntmarkt. Wer hätte auch gedacht, dass die Neuauflage von Zum blauen Bock derart brezelt?
Die Selbsthilfegruppe Rammstein war nach Stuttgart gekommen und begleitete musikalisch die Wanderausstellung „Wir Glühbirnen müssen zusammenhalten„.

Die CombiChristen irritierten als Vorgruppe die Fangemeinde gehörig. Rammstein hat mit dieser Wahl der Einheizer ein deutliches Zeichen in Richtung EBM gesetzt, ich bezweifle jedoch, dass die Masse an Zuschauern damit was anfangen konnte. Das Volk der Rammstein-Hörer ist sowas von heterogen, das gab es nur noch so bei Auftritten von Joan Baez (die bestimmt nie auf ein Rammstein-Konzert gehen würde). Da vom Mephisto-Rentner über die brave Sachbearbeiterin von der Ortskrankenkasse bis hin zum Metalhead alle vertreten waren, erfüllte dieses Musikangebot die Vorgaben, um als Volksmusik durchzugehen. Die Apotheken-Umschau, das Sprachrohr der tolerierten Drogendealer, empfiehlt für die Wintermonate, auch künstliche Lichtquellen als Sonnenersatz zu nutzen. Die Rammstein-Tour hätte locker die Kassenzulassung geschafft, so gründlich wurden wir bestrahlt. Vielleicht wurden wir auch nur vor den Ich-Will-Zeilen „Wir wollen, dass ihr uns vertraut, wir wollen, dass ihr uns alles glaubt“ von Aliens auf der Bühne geblitztdingst.

Es bleibt festzuhalten, dass Rammstein hören nicht ausreicht, es will gesehen werden. Sie sind nicht nur die „Diener eurer Ohren“, sondern auch eurer Augen! Mehr kann man zu Musik live nicht zeigen. Im Gegensatz zur Versagerbande der Rammstein-Community, die glaubten, sie könnten den Online-Kartenverkauf neu erfinden und sich so im Einklang mit den talentfreien Organisatoren der Schleyerhalle fanden, passte bei der Bühnen- und Technik-Crew einfach alles (ok, sonst wären vielleicht Menschen in Flammen aufgegangen, das motiviert natürlich). Das war bestimmt nicht mein letztes Rammstein-Konzert.

Hier noch für alle die Erinnerung, mit wie wenig Schlaf das Karten-Kauf-Wochenende auskommen musste:

[Posted with iBlogger from my iPhone]