Archiv für Film

Kurz und gut

Posted in Kultur with tags , , , on 14. Dezember 2009 by tobikult

Ich war schon als Kind ein Freund von Kurzgeschichten, kompakt gehaltenen Gedichten und einzeiligen Sinnversen. Mit dem uneingeschränkten Zugang zum Kino konnte ich mir endlich Literatur erschließen, die ich niemals lesend geschafft hätte. Irgendwann habe ich aber aufgehört zu überprüfen, ob es überhaupt eine literarische Quelle für die gesehenen Filme gab. Es wurde dann eher allgemeine Mode, „das Buch zum Film“ zu produzieren (völlige Papierverschwendung, wenn ihr mich fragt).

Beizeiten will man sich aber nicht 110 oder mehr Minuten vor eine Leinwand setzen, um festzustellen, dass die Geschichte nicht dem eigenen Gusto entspricht. Das Internet bietet auch hier eine wunderbare Abhilfe, die auf dem Weg ist, zur eigenen Kunstform zu avancieren:

Der 5 Sekunden Plot!

Mein absoluter Liebling ist dieser hier:

Der ist aber auch nicht schlecht (immerhin spart er über 666 Minuten Zeit) :

Auf der Suche nach dem Glück

Posted in Kultur with tags , , , , on 10. November 2009 by tobikult

Was für ein Filmabend! Ich bin mittelmäßig verstört, nachdem ich mir meine Fernreise längs durch die halbe Bundesrepublik mit einem Heimatstreifen versüßen wollte. Da es draußen schon dunkel ist, dachte ich, es könnte nicht schaden, statt aus dem Fenster auf bewegte Bilder auf dem Monitor zu schauen. Ich hatte vor der Abreise „Gernstls Reisen – Auf der Suche nach dem Glück“ erworben. Nichts wusste ich von diesem filmischen Werk und seinen Machern. Das ist für mich immer gut, dann bin ich zumeist weniger hinterher enttäuscht.

Der Film beschreibt eine 23 jährige Rundreise durch Deutschland und ist als Dokumentation konzipiert. Die ersten 15 Minuten sind die schonungsloseste und verstörendeste Berichterstattung über den Alltag in den frühen 80ern, die ich je gesehen habe. Hier wird alles gezeigt, Vorstadttristesse, Hammer-Dauerwellen und modebewußte Sannyasins.

Die Landbevölkerung bringt den Filmemacher an seine Grenzen. Minutenlanges Schweigen wird hier zur reaktionären Stimme einer ganzen Generation.

Die halböffentliche Ausstrahlung (ist Videogucken im Großraumwagen bereits eine GEMA-pflichtige Vorführung?) der Sequenz, in der die Frauengymnastik einer Dorfgemeinschaft begleitet wird, führte mich überraschend in die völlige Isolation. Mein Sitznachbar, ein Mitfünfziger mit schickem Anzug und Blackberry, wollte nicht länger diesen radikalen Bildern beiwohnen und setzte sich, trotz völlig überbuchtem ICE, irritiert weg. Ich hätte nie geglaubt, dass ich mit einem Heimatfilm diesen Erfolg haben könnte.

So verpasste der liebe Handelsreisende die aufschlussreiche Episode über die Aussteigerfamilie, die ausgerechnet in einer Einflugschneise ihr wildes Campinglager aufgebaut hatte.

Die dokumentierte Reisezeit in den damals noch jungen Osten der Republik, war kaum auszuhalten und hinterließ bei mir einen faden Beigeschmack. Hier wurde mit naiven und grenzdibilen Gestalten ein (hoffentlich) verzerrtes Bild einer ostdeutschen Bevölkerung gezeichnet, das nur schwer zu ertragen war. Erstaunt war ich, wie schnell ich ob der einzelnen Sonderlinge in den ca. 80 Minuten Filmmaterial abstumpfte und mich nicht mehr wundern konnte, als Interviewer Gernstl einen bayrischen Jesus ausfindig machte und danach einen Biobauern traf, der glaubhaft versicherte, dass er mit den Bakterien in seinem handgefertigten Käse stundenlange Gespräche führe.

Besondere Beachtung verdient das Bonusmaterial. Der Besuch beim Bürgermeister von Ulm, ist eine Sternstunde bewegter Bilder. Dieser Film geht als DAS Lehrvideo für Kommunalpoliker durch (mit Wiederwahlgarantie!)

Dieser Film hat das FSK-Prüfsiegel „ab 0 Jahre freigegeben“ erhalten. Mir ist nicht klar, wie die gezeigten gesellschaftlichen Irrungen harmloser eingestuft werden können, als die Texte des aktuellen Rammstein-Albums. Zensursula und ihre Bande sind mir hier einfach zu inkontinent.

Ein kleiner Zusammenschnitt des kommentierten Films:

Chaostage – der Film

Posted in Kultur with tags , , , , , , , on 9. Mai 2009 by tobikult

Trash-Kino in seiner schönsten Art wurde uns im Odeon in Mannheim geboten. Im außerkauften Haus stellte uns Tarek Ehlail und Team sein Werk vor. Man hätte annehmen können, dass alle Punk-Darsteller bei dieser Vorführung anwesend waren, jedenfalls war die feiernde Menge geschmückt mit bunten Haartrachten und die Anzahl von Killernieten selten so hoch in einem Kinosaal wie gestern abend.

Der Streifen ist kurzweilig, die Mischung aus belangloser Rahmenhandlung und Interviewsequenzen ausgewogen und die Musik laut genug. Unglaublich, wer da alles auf der Leinwand auftauchte: Punkgrößen (gibt es sowas überhaupt?), Sahnehäubchen deutscher Schauspielerzunft, Helge Schneider und sogar eine meiner Arbeitskolleginnen. Persönlicher kann und will ich mir einen Kinoabend gar nicht vorstellen.