Archiv für Musik

Aber bitte mit Musik

Posted in allgemein with tags , , , , , , , , on 12. Februar 2014 by tobikult

TDWFBAnsatt sich für den Protest gegen die NSA und ihre Speichellecker auf die Straße zu begeben und z.B. Berlin-Mitte einzunehmen, mithilfe von Sandsackbergen zu sichern und alles, was ansatzweise boxen kann, in die erste Reihe der Demonstrationen zu stellen, haben sogenannte Netzaktivisten gestern einen weltweiten Aktionstag namens „The Day We Fight Back“ durchgeführt. Vollmundig wurde propagiert: „Das Internet schlägt zurück!“ und „Taten statt Lippenbekenntnisse!“

Die Initiatoren haben eine hübsche Website gebastelt und sich damit vergnügt, Unmengen an Logos und Banner zu produzieren. Die Nerds sollten es schön einfach haben, ihre Empörung deutlich zu machen. Zwei, drei Klicks, und zack – eine Weltmacht von Geheimdiensten knickt ein. Das war der Plan.

Weltweit kamen aber nur eine Handvoll Protestaktionen dabei heraus und der furchteinflößende digitale Sturm der Entrüstung blieb, vorsichtig formuliert, hinter den Erwartungen zurück. Ein paar modifizierte Startseiten von Diensten im Web, viel mehr war nicht zu sehen. Immerhin war die Farbe des Protests schon mal richtig gewählt.

Mir war von Anfang an klar, dass das in Schuss in den Ofen wird, fehlte diesem Protest doch das Herzstück einer erfolgversprechenden Revolution: MUSIK!

So spiele ich hier und jetzt ein Trostlied für die Veranstalter dieses aktionsarmen Aktionstags. Falls ihr es nochmal versuchen wollt mit dem Kampf gegen die Geheimdienste: Wir sehen uns auf der Straße! Und zwar vorne!

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Und wenn ich nicht schlafen kann…

Posted in allgemein with tags , , , , on 1. Februar 2010 by tobikult

…dann kann ich endlich mal wieder was für meine musikalische Früherziehung tun. Komisch, EBM geht nicht mehr nach 3:00 Uhr. Dann eben Klampfenmusik. Schwunggitarre, 2, 3,4, jawoll.

Köln bröckelt wieder

Posted in Kultur with tags , , , , , on 21. Juli 2009 by tobikult

Das Wochenende haben wir in Köln auf dem Amphi-Festival verbracht. Der morgentliche Weg von unserer Unterkunft zum Tanzbrunnen führte an der Stelle vorbei, an der einst das Stadtarchiv stand. Das Festivalgelände wirkte dagegen solide fundamentiert, sorgfältig gepflastert und mit den drei Sonnenschutzpilzen angemessen sicher überdacht. Dieses Jahr waren mit ca. 13.000 Menschen noch mehr Schwarzbunte zusammengekommen und die Veranstalter hatten vorsorglich eine weitere Halle angemietet. Das Theater wurde nur noch für Plattenvorstellungen und Kinovorführungen genutzt. Ein angenehmer Ort der Komtemplation war geschaffen und bei wechselhaftem Wetter beizeiten dem Beach-Club vorzuziehen.

Leider wurde die Rechnung ohne den Wirt gemacht, und der war in diesem Fall die Deckenverkleidung der Rheinparkhalle. Die warf sich flächendeckend auf die Spielmänner von Feindflug. Nun gut, über Musikgeschmack läßt sich streiten und auch die Lautstärke des Dargebotenen ist zart besaiteten Geschöpfen oftmals zu hoch, aber dass gleich der Zusammenbruch des Veranstaltungsortes angedroht wird, das gibt es wohl nur in Köln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemnad dieser Halle eine Träne nachgeweint hat (ausser den zerbröselten Jungs von Feindflug), ist der angemietete Hallenteil ein flacher dunkler Schlauch ohne erkennbare Atmosphäre.

Blöderweise mußten nicht die Freunde von Feindflug leiden sondern die mit Vorfreude geschwängerte Randgruppe der Laibach-Sympathisanten. Die standen sich über 2,5 Stunden vor dem Theater die Beine in den Bauch und konnten weder vor noch zurück. Woher ich das, weiss? Es geht doch nichts über teilnehmende Beobachtung! Diese Internierung unter freiem Himmel wuchs zu einem Eldorado für Verhaltensforscher.

Das Gerücht der Stunde hatte gemunkelt, Laibach spielten alternativ auf der Bühne des Theaters, Beginn ca. 23 Uhr. Um auch bestimmt dabei sein zu können, stellten sich die wahren Festivalprofis bereits um 21.30 Uhr an.

Wir vertrieben uns die erste halbe Stunde mit Spielchen auf unseren elektronischen Helferlein, dann mit persönlichem Kennenlernen der direkt erreichbaren Mitwartenden und dann mit ersten Gymnastikübungen gegen die platten Füße und die schmerzenden Rücken. Nach über einer Stunde fingen die ersten an zynisch zu werden, weiter fünzehn Minuten später wurden die Jungs von der Security als „die Bösen“ identifiziert und die Menschen um einen herum als überaus lästig empfunden. Da die Informationen des Veranstalters wenig und falsch waren wuchs der Unmut zur Agression. Pfeifkonzerte entluden sich auf die Türsteher und der Vorwurf der Abzocke konnte sich gegen eine unkonkrete Empörung durchsetzen. Die für ihre Friedfertigkeit berüchtigten Gothics kamen zusehens an ihre Grenzen. In ersten autoagressiven Schüben wollten wir uns dadurch schädigen, direkt nach dem Einlaß auch schon wieder den Auslaß zu nutzen und die Belohnung für das lange Warten erhobenen Hauptes ausschlagen. Dem Himmel sei zum einen gedankt, dass es in dieser Zeit nicht geregnet hat und des Weiteren, dass wir geblieben sind. Auch wenn einigen von uns die Show schon aus Stuttgart weitestgehend bekannt war, geriet die Darbietung dieses slowenischen Künstlerensembles erneut zu einem beeindruckenden Erlebnis. Augen und Ohren wurden gleichermaßen beansprucht, belastet und verwöhnt. Irgendwie passte die Stimmung vor den Toren des Theaters zu der Musik, die innen kurze Zeit später serviert wurde.

In den frühen Morgenstunden kamen wir erschöft an unserem Nachtlager an. Kurz vorm Einschlafen haben wir uns noch daran erinnert, dass der Tag bereits grandios mit Coppelius begonnen hatte, handfester Rock mit Streichern und Klarinette, eine feine Idee. The Birthday Massacre haben sich konsequent weiterentwickelt, oszilieren aber immer noch zwischen Emo-Kitsch und Gothic-Rock. Eisbrecher haben die Herzen der Damenwelt erobert und eingängige neue deutsche Härte zelebriert. Die meditative Stunde mit Covenant war eine gelungene Vorbereitung auf die zu diesem Zeitpunkt noch ungeahnte Wartezeit.

Am Sonntag war die Stimmung hervorragend. Das lag in unserem Fall bestimmt am köstlichen Frühstück, aber auch an der Tatsache, dass unsere Running Order recht kurz ausfiel. Eigentlich wollten wir nur Panzer AG sehen. Dann hatten wir noch eine Rechnung mit QNTAL offen und auch die künstlerische Weiterentwicklung von Unheilig wollten wir weiterhin lückenlos verfolgen

Panzer AG hat sich alle Mühe gegeben, aber was hatte die Frau am Keyboard am Mikrofon zu suchen? Diese talentfreie Darbietung trübte den ansonsten kraftvoll gestalteten Auftritt dieser Gruppe.
Entweder auf uns oder auf QNTAL ist kein Verlass, wir kamen jedenfalls wiederholt nicht zusammen. Dafür haben wir Unheilig bei seiner erneut emotional und musikalisch beeindruckenden Darbietung beobachten können. So geht deutsche Volksmusik und Begeisterung der Massen! Der Graf könnte hier mal eine Handreichung für einige seiner Kollegen verfassen.

Abgefüllt mit schönen Melodien und Rhythmen und mit der Vergewisserung, dass es immer noch genug normale Menschen gibt, die mit Stil schwarz leben, haben wir den Heimweg angetreten. Das Amphi ist eindeutig homogener schwarz als das WGT. Die bunten Waschmaschinen- und Schweisserbrillenknicklicht-Fraktion war lediglich eine Randgruppe auf diesem Festival.

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„Gabs damals noch kein Schwarz?“

Posted in Kultur with tags , on 25. Juni 2009 by tobikult

In ein paar Wochen soll die erste DVD der Streetpunk-Kombo Broilers erscheinen. Ich habe mir schon mal die sogenannten Appetitmacher, in schlimmsprech auch Teaser genannt, gegönnt und bin an einem Zitat von Sammy hängengeblieben, dass ich gut nachvollziehen kann:

„Wie wir 92 oder 94 im Probenraum gestanden haben, mit grüner Bomberjacke mit OI!-Aufnähern -leck mich am Arsch- da fragt man sich manchmal schon: Gabs damals noch kein Schwarz?“

Die Bomberjacke ist mir erspart geblieben, der Ökolook in Pastellfarben war aber auch nicht besser anzusehen. Es muss also etwa 1995 gewesen sein, als das Schwarz auf die Erde kam. Ab da an wurde es schön auf der Welt (und in meinem Kleiderschrank).

Hier die Quelle:

Wave-Gotik-Treffen 2009

Posted in Kultur with tags , , , on 30. Mai 2009 by tobikult

image1490976890.jpgEndlich Pfingsten! Endlich WGT! Dieses mal sind wir zu viert im Strich Acht nach Leipzig gereist um uns unter das schwarze Volk zu mischen und mit normalen Menschen das Pfingstfest zu begehen. Die Reise lief problemfrei und am Freitagmittag konnten wir ohne Wartezeit unsere Bändchen an der AGRA (juhu, dieses Jahr in meiner Lieblingsfarbe) entgegennhehmen.
Dann hieß es aufhübschen und ab zum Werk II. Leandra, Staubkind und Tyske Ludder waren unsere individuellen Opener. Na gut, es waren noch tausende weiterer Stiefelträger mit uns da und die Location war bis zum Anschlag voll. Voll ist es dieses Jahr ständig und überall. Und laut. Ach meine armen Ohren, wo sind nur die Soundfetischisten alle hin und die viel wichtigere Frage, warum arbeitet keiner von denen auf dem WGT ? Die Umweltvrschmutzung durch Lärm kann man in seiner schönsten Form in der AGRA-Shopping-Mall erleben. Hier versuchen alle Verkäufer nicht nur den eigenen Stand sondern gleich die ganze Halle mit der persönlichen Lieblingsmusik zu beglücken. Ich rate dringend ein zentral gesteuertes Musikkonzept für diese Örtlichkeit zu diktieren.

Den Abend haben wir gepflegt in der Moritzbastei aus“klingen“ lassen. Spagetti Bolognese schmecken um 1.30 Uhr immer noch am Besten.

Am Samstag dann die Überraschung: Es gab Musik. Zuerst von Cordes Obliques im Schauspielhaus. Danach von VNV-Nation in der AGRA. So unterscheidlich die Kapellen von ihrer musikalischen Aurichtung auch sind, sie haben beide ihren Anspruch an einen bestmöglichen Klang umgesetzt. Ok, in der AGRA ist das nicht berrauschend, es muss aber auch nicht beleidigend sein.

Am „Abend“ (1.00 Uhr) waren wir noch im Tanzsalon der AGRA. Hier fiel mir ein junger Mann mit einem Schallmeßgerät auf. Interessiert betrachtete ich seine Arbeit und er zeigte mir freundlich seine bisherigen Meßergebnisse. Die Dauerbeschallung lag in den unteren Frequenzen konsequent zwischen 115 und 117 db, die Mitten und Höhen bei 95 db. Er schrie mir ins Ohr, dass er Schallmessungen durchführe um nachzuweisen, dass diese Hallen für derartige Veranstaltungen optimal geeignet seien. Jobs gibts, da kommt man von alleine nie drauf…

Das jahrealte Gerücht, dass es bald vorbei sein könnte mit dem WGT auf dem Gelände der AGRA, wurde nicht zuletzt dadurch wiederbelebt, dass der freundliche Messmann sagte, das Veranstaltungsgelände sei verkauft und es entstünde ein Neubaugebiet. Wer schon mal in Leipzig war, weiss natürlich von der Wohnraumknappheit, insbesondere in der Innenstadt, zu berichten. Da leuchten expansorische Pläne für Häuslebauer sofort ein. Der erwartbare Zuzug der vom Wohlstand frustrierten westdeutschen Frührentner scheint unmittelbar bevor zu stehen und da kann, nein muss, eine Landeshauptstadt gut vorbereitet sein. Laut Pressemitteilung der Stadt Leipzig läuft die Galgenfrist für das WGT auf dem AGRA-Gelände 2013 ab.

Was gab es sonst noch auf die Ohren? Geplant war ein gepflegter Ausklang mit den alten Bekannten von QNTAL im Schauspeilhaus (wegen der bequemen Sitze und dem Klang). Leider war die Schlange bereits 3 Stunden vor dem Konzert so lang, dass wir uns diesen Act einfach fürs Amphi-Festival in ein paar Wochen aufheben müssen. Stattdessen sind wir mal wieder zum Abschluss unserer Konzertreise im Kolrabizirkus gelandet, haben noch ein bisschen Gedröne von Agonoize mitgekriegt und uns dann von Kein Mehrheit für die Mitleid die Trommelfelle massieren lassen. Diese Ansammlung verbrauchter Möchtegern-Punks hat erwartungsgemäß den Ursound aus der Anfangszeit des Industrial zum Besten gegeben, blieben aber deutlich hinter der Leistung auf den Tonträgern zurück. Das beobachte ich jetzt schon bei mehreren Rentnerbands: Ob Cassandra Complex, Fields of the Nephilim oder auch Project Pitchfork, der Sound funktioniert nur noch, weil man im Kopf die schöne Version vom Band abruft und über den Lifesound legt. Da wünsche ich mir doch ein ehrliches Playback! Es ist nunmal nicht jedem gegeben, wie Johnny Cash bis zum bittersüßen Ende performen zu können.

In der Qulität gleichbleibend auf dem WGT war wieder die nächtliche Verköstigung in der Moritzbastei, für mich situativ einfach nur perfekt, im Nachgang habe ich mit den Kilos noch ein wenig zu kämpfen. Dieses Jahr fehlte mir ganz besonders dieses lecker mit Kräutern zugeworfene Fleisch am Grillspieß, eine echte Versorgungslücke im Heidnischen Dorf.

Total übertrieben war zudem der Stau auf der Rückfahrt am Dienstag. Acht Sunden im Auto sind nach so einem Wochenende einfach etwas zu lang. Na dann, bis zum nächsten Jahr.

Hier ein paar Eindrücke, mehr gibt es wie immer auf www.werturteilsfrei.de

People Like You

Posted in allgemein, Kultur, Musikalische Früherziehung with tags , , , , , , , , , on 18. Mai 2009 by tobikult

Ich habe es geschafft! Da liege ich allen Menschen, denen ich eine musikalische Ader nachsage, seit Tagen in den Ohren und nun hat sich tatsächlich noch jemand gefunden, der mit mir am 17.05.2009 nach Stuttgart ins LKA gegurkt ist. DANKE!

Gegeben wurden fünf! Bands für 20 EUR aus dem Verlagshaus „I USED TO FUCK PEOPLE LIKE YOU IN PRISON“.

Der Strich Acht hat uns sicher ins Ländle gefahren, litt aber an Hitzewallungen („am Wasser liegts nicht, ist keins drin…“). Bereits beim Einparken kamen uns die ersten Skins und Punks entgegen und ich beschloss erst einmal den Stern vom Kühler zu nehmen – ist MEINER, bleibt MEINER!

Nach dem Check-In und dem Startbier spielten Born to Lose auf. Zusammen mit den vier anderen Zuhörern haben wir eine ausgefeilte Performance in Sachen Streetpunk gehört und gesehen. Ein bisschen Greenday der alten Tage kamen da mit dem frühen Papa Roach zusammen. Klanglich und technisch waren wir überzeugt und haben uns großzügig über das in den hinteren Reihen tummelnde, fragwürdige Publikum hinweggesetzt und Beifall gezollt.

Toxpack hatten doppelt so viele Freunde bei der Zuhörerschaft wie Born to Lose. Der Frontmann wiegt aber auch locker doppelt soviel wie der vom vorherigen Chor. Für seine ca. 130 kg Kampfgewicht bewegte er sich, wie auch die gesamte Kombo, überraschend leichtfüßig übers Parkett und lieferte rundum eine solide Leistung ab.

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Nach diesem Vorgeplänkel kam die Band, die mich nach Stuttgart lockte: The Creepshow. Diese kanadische Formation hat den Floor ordentlich gefüllt und die ersten harten Jungs haben sich in Pogo-Laune gerempelt. Die Darbietung war beeindruckend, besser als nach den Clips bei YouTube und co zu erwarten war. Eine gelungene Melange aus handbetriebender Stromgitarre, Old-School-Orgel, gezupften Kontrabass und schnellen Takten, verfeinert mit schöner Frontfrau(stimme) und treffsicherem Männerchor hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Ich glaube, ich habe eine weitere Gruppe, die ich in die heavy-rotation einbinde. Perfekte Autofahrmusik, sogar wenn man gar nicht fährt.

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Mein Faible für Bands mit weiblichem Hauptgesang wurde weiter gefestigt und Sarah „Sin“ Blackwood ist die beste Zweitbesetzung, die man sich wünschen kann. Wenn ich mal schwanger werde, will ich auch so ersetzt werden!

Es summte noch in den Ohren, da kamen auch schon die grüngeschminkten und mit Kunstblut garnierten Horrorpunks von Demented Are Go. Nach zwei Liedern sind wir erst mal frische Luft schnappen gegangen. Die Performance wies optische und akkustische Zumutungen auf. Es lag der Verdacht nah, dass der Sänger die Wartezeit nicht mit den Groupies sondern mit Johnnie, Jim und anderen Versuchungen überbrückte. So wird aus Horrorpunk schnell ein Gruselkabinett. Vor den heiligen Hallen war entsprechend viel los. Ich entdeckte eine Leuchtreklame, die die Nachwuchsprobleme der sich dort zusammengefundenen Gemeinde in großen Lettern von der Wand in die Welt strahlte und drückte auf den Auslöser.

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Wir waren lange draußen. Sehr lange. Und Demented Are Go haben auf der Bühne durchgehalten. Die Merch-Stände boten eine überschaubare Zuflucht und auch das altbekannte „sehen und gesehen werden“ wurde bald eintönig. Entweder Glatzen mit Ben Sherman Shirts und Springern in himmelblauen Jeans und hängenden Hosenträgern oder Surferboys, deren Vintage-Car-Träume nur auf einem lummeligen T-Shirt existieren. Dazwischen hin und wieder (aber irgendwie zu wenige) Urgesteine, Orginale und Stilikonen.

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Gegen 22.00 Uhr war dann alles b(e)reit für die Broilers. Punkrock aus Düsseldorf hat sowieso schon etwas, was in mir Stimmungen erzeugt, wie bei den Großeltern ein echter Besuch bei „Zum blauen Bock“. Doch diese jungen Volksmusiker haben ein Problem. Es stehen in der ersten Reihe gleich drei charismatische und dazu noch begabte Künstler: Sammy, Ron und Ines. Wie soll man sich da auf das Ganze konzentrieren oder mal die handwerkliche Leistung von Chris und Andi und dem Burschen am Sax auf sich wirken lassen?

Mit diesen sechs Animateuren führten uns die Broilers durch eine Nacht voller Schweiß, Gegröhle und Gerempel. Dabei wirken vor allem Sammy und Ines wie die Streetworker des proletarisch anmutenden Publikums. Da alle Anwesenden die Texte vorher auswendig gelernt hatten und die Künstler nicht müde wurden zum Mitmachen aufzufordern, entstand schnell das notwendige Wir-Gefühl, damit betreutes Singen, Trinken und Tanzen gelingt. Das Jugendamt und die Trachtengruppe der örtlichen Ordnungsmacht hat auf alle Fälle einen guten Grund, der ganzen Band mal Blumen zu schenken.

Nach über zwei Stunden dieser erlebnispädagogischen Gruppenarbeit entließen uns die Broilers wieder in unser schnödes Leben. Geblieben ist nicht nur die Erkenntnis, dass man auch mit Menschen, die je nach Alkoholisierungsgrad zwischen einfach-strukturiert und grobschlächtig oszillieren, einen über fünfstündigen Konzertabend prima überleben kann, sondern daß es im Punk auch Strömungen gibt, in denen das Beherrschen der eigenen Instrumente und eine geübte Sangesstimme keineswegs hinderlich wirken. Persönlich bleibt mir nach diesem Abend nach heutiger Selbstdiagnose eine latente Harthörigkeit.

Als Randnotiz soll nicht unerwähnt bleiben, dass es hübsch anzusehen war, wie hoch die Dichte der Skins und Iro-Punks war, die mit eigenem oder elterlichen Neubenz vor- und abfuhren. Das findet man so wahrscheinlich auch nur im Ländle.

Chaostage – der Film

Posted in Kultur with tags , , , , , , , on 9. Mai 2009 by tobikult

Trash-Kino in seiner schönsten Art wurde uns im Odeon in Mannheim geboten. Im außerkauften Haus stellte uns Tarek Ehlail und Team sein Werk vor. Man hätte annehmen können, dass alle Punk-Darsteller bei dieser Vorführung anwesend waren, jedenfalls war die feiernde Menge geschmückt mit bunten Haartrachten und die Anzahl von Killernieten selten so hoch in einem Kinosaal wie gestern abend.

Der Streifen ist kurzweilig, die Mischung aus belangloser Rahmenhandlung und Interviewsequenzen ausgewogen und die Musik laut genug. Unglaublich, wer da alles auf der Leinwand auftauchte: Punkgrößen (gibt es sowas überhaupt?), Sahnehäubchen deutscher Schauspielerzunft, Helge Schneider und sogar eine meiner Arbeitskolleginnen. Persönlicher kann und will ich mir einen Kinoabend gar nicht vorstellen.