Gothic Friday im August

Diesen Monat sind die Schwarzen Stubenhocker aufgerufen, die Top 5 der dun­kels­ten Bücher oder die Top 5 der bes­ten Sach­bü­cher zu präsentieren. Ich war mir beim ersten Durchlesen der Aufgabenstellung relativ sicher, dass dies keine große Herausforderung darstellen sollte. Bücher haben wir genug: zum Thema Gothic, Tod und Teufel locker 2 Meter Druckwaren. Ich hatte zudem im Frühjahr bereits auf spontis.de eine Auswahl an wissenschaftlicher Literatur über Grufties sowie die Schwarzen Führer vorgestellt.

Aber was sind denn die Favoriten? Welches Buch hat mich nachhaltig berührt oder gar beeinflusst? Drei Wochen bin ich jetzt vor den Regalwänden in unserer Wohnung auf- und abgeschritten. Freiwillig hat sich keines der Bücher bei mir gemeldet. So ist meine Auswahl auch nicht zwingend als Leseempfehlung zu vestehen. Lovecraft, Tolkien und Pullmann verursachen Lesespaß bis tief in die Nacht, keine Frage, aber gruftig ist das nicht unbedingt. Auch die Edda, die Nibelungen oder Germanische Mythologie 1 & 2 vertiefen das Wissen über Aspekte, die unseren Lebensstil immer wieder beeinflussen. Aber dann müsste ich auch die Bibel hier mit aufnehmen…

😎

Ich habe mich letztlich entschlossen, eine vielleicht etwas eigenwillig anmutende TOP 5 zusammenzustellen. Auf eine Rangordnung habe ich dabei verzichtet.

😉

Gedichte des Expressionismus. Ein Überbleibsel aus dem Deutsch-LK von 1991. Für die meisten Mitschülerinnen und Mitschüler war dieses Büchlein der Ausdruck einer schulischen Durststrecke. Für mich zeichneten die Gedichte von Georg Trakl und seinen Kollegen ein Gefühl des tiefen Verstehens. Es gibt also noch andere wirre Geister, die so wahrnehmen wie ich. Düstere Literatur habe ich bis heute nicht gefunden.

Lust auf eine Leseprobe?

Trübsinn von Georg Trakl

Weltunglück geistert durch den Nachmittag.
Baraken fliehn durch Gärtchen braun und wüst.
Lichtschnuppen gaukeln um verbrannten Mist,
Zwei Schläfer schwanken heimwärts, grau und vag.

Auf der verdorrten Wiese läuft ein Kind
Und spielt mit seinen Augen schwarz und glatt.
Das Gold tropft von den Büschen trüb und matt.
Ein alter Mann dreht traurig sich im Wind.

Am Abend wieder über meinem Haupt
Saturn lenkt stumm ein elendes Geschick.
Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurück
Und schwarz schwankt Gottes Himmel und entlaubt.

Ein Fischlein gleitet schnell hinab den Bach;
Und leise rührt des toten Freundes Hand
Und glättet liebend Stirne und Gewand.
Ein Licht ruft Schatten in den Zimmern wach.

Das Urteil von Franz Kafka. Noch ein Buch aus der Schulzeit. Die kurzen Erzählungen, die in diesem Taschenbuch zusammengefasst sind, haben eine Magie, die mich bis heute fesselt. Die Welt auf eine sehr eigentümliche Weise wahrzunehmen ist das eine, sie auch noch so brilliant in Worte zu fassen, eine seltene Kombination.

Leute! Lest mehr Kafka!

Bevor mein alter Deutschlehrer noch anfängt Freudentänzchen aufzuführen, hier der Boden der Tatsachen:

Nachtgewächse von Gary Larson. Dieses Buch soll stellvertretend für das Gesamtwerk The Far Side hier aufgeführt werden. Humor für Randgruppen.

Utopia von Thomas Morus. Wäre es nicht ein philosophischer Dialog über ein alternatives Gesellschaftssystem, es könnte glatt als SciFi durchgehen. Mich haben die Ausführungen des fiktiven Berichterstatters, der von Utopia zurückgekehrt ist, oft an Star Trek erinnert. Heute rätseln die Wissenschafter wieder, ob es sich bei diesem Werk vielleicht doch nur um eine Satire von Morus handeln könnte. Ausreichend Stoff für „Das kann er jetzt nicht ernst meinen!“-Anflüge hält das Buch allemal bereit.

Gothic-Lexikon von Volkmar Kuhnle. Dieses Buch war für mich 1999 ein wertvolles Nachschlagewerk und hat mir eine Reihe von Musikentdeckungen beschert. Damals gab es noch kein Wikipedia und kein youtube. Knappe Beschreibungen von Musikstilen, deren Vertreter und unter diesen auch noch eine Menge Querverweise. Analog-Googlen in seiner schönsten Form.

Außer Konkurrenz will ich Euch an dieser Stelle noch zwei Ausstellungskataoge ans Herz legen:

Gothic Nightmares. Eine Ausstellung der Tate Britain aus dem Jahr 2006. Eine wunderbare Zusammenführung von Werken von Fuseli, Blake und mit ihnen in Verbindung gebrachten Künstlern.

Six Feet Under. Autopsie unseres Umgangs mit Toten. Meine zweite  Empfehlung dreht sich um eines meiner Lieblingsthemen: Tod und was wir daraus machen (Notiz an mich: ich sollte dazu mal einen eigenen Blogbeitrag schreiben). Die Ausstellung „Six Feet Under“ wurde schon in verschiedenen Museen in Europa gezeigt und seziert vor unseren Augen die Varianten des Umgangs mit dem Tod und denen, denen er widerfährt.

Eine Antwort to “Gothic Friday im August”

  1. […] dass es Tobi­kult dank einer klei­nen Ver­län­ge­rung, die auch der Gothic Fri­day gut gebrau­chen konnte, […]

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